Logo der Oldenburger Tafel
Kaiserstr. 14, 26122 Oldenburg
Telefon (04 41) 2 48 88 54
Telefax (04 41) 8 85 35 08
email@oldenburger-tafel.de
Facebook
 

Info-Brief # 31

Dezember 2011

Liebe Mitglieder und Freunde der Oldenburger Tafel e.V.!

15 Jahre Oldenburger Tafel e.V. - Unser Jubiläumsjahr geht erfolgreich zu Ende.

Jubiläum

Als sich vor fast 16 Jahren sieben Menschen zusammenfanden, um am 12.01.1996 in Oldenburg die 42. aller Tafeln in Deutschland zu gründen, ahnte wohl niemand, wie groß sich diese gute Idee entwickeln würde. Mittlerweile gibt es fast 900 Tafeln bundesweit. Nur wenige arbeiten wie wir ausschließlich mit Ehrenamtlichen, kaum eine so vielfältig, die Minderheit gibt die Lebensmittel kostenlos an Bedürftige weiter.
Wir sind rund 100 Leute und erreichen die Bedürftigen über unsere Ausgabestelle, durch das Beliefern von sozialen Einrichtungen, mittels direkter Hausbelieferung, über unsere Hilfsprojekte. Unsere Mitglieder und Sponsoren helfen uns, die immensen Kosten zu tragen.
Wir können mit Fug und Recht stolz auf das bisher Erreichte sein.

Benefizkonzert

Unser Jubiläum lieferte den Anlass für ein Benefizkonzert im Oldenburgischen Staatstheater. Am 2. Advent luden wir mit Hilfe unseres Schirmherrn Thomas Schulz MITUNSKANNMAN.REDEN zu einem äußerst vielfältigen Konzert. Musiker aus Oldenburg waren bereit, ohne Gage aufzutreten. Dazu gesellten sich die Schriftsteller Klaus Modick und Bernd Eilert, die mit ihrer Wortkunst den Bogen zum moderierenden Spontantheater spannten. Auch in der Vorbereitung und hinter der Bühne gab es viel Unterstützung: Bühnen-, Licht- und Tontechnik, Catering und Werbung, ein neuer Film von Amon Thein Schwarzseher Agentur für neue Medien, diesmal mit Aussagen der Nutzer – alles wurde der Tafel kostenlos zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns herzlich bei allen, die unsere Oldenburger Tafel mit Stimme, Können oder Eintrittskarte unterstützt haben!

Ausgabestelle

Es wird immer voller. Der Ablauf ist zwar weitestgehend reibungslos dank des Farb-Rotations-systems, aber an manchen Tagen stehen die Menschen dicht gedrängt am Tresen, um sich Lebensmittel auszusuchen. Besucher sind jedes Mal verwundert, wie ruhig es bleibt: kein Schubsen, kein Drängeln, kein lautes Wort. Ursächlich sind in erster Linie die klaren Regeln und der freundliche Umgangston der Ehrenamtlichen, denen gerade zu Weihnachten viele persönliche Wünsche galten. Immer mehr Anbieter müssen angefahren werden - auch weil vorsichtiger disponiert wird -, um genügend Lebensmittel für alle herbei zu schaffen. Der Vorstand dankt allen Ehrenamtlichen für die gute Vorbereitung, die Umsicht und Einsatzbereitschaft jeder und jedes Einzelnen!
Alle sind sehr fleissig, die Teamleiterinnen organisieren und ordnen ihre Schicht. Aber sie sind eben vorrangig für ihre arbeitsreiche Schicht verantwortlich. Nun suchen wir eine Person, die an allen drei Ausgabetagen die Fäden in der Hand behält, allen (Fahrdienst, Vormittags-, Mittags- und Nachmittagsteam) ein Ansprechpartner sein kann und klare Entscheidungen trifft, wie die Ware gerecht und sinnvoll auf drei Tage verteilt wird. Melden Sie sich, wenn Sie Zeit und Lust und ein ordnendes Händchen haben und gelassen den Überblick behalten können.
Zeitfenster: dienstags, mittwochs und donnerstags von ca. 10 bis 14 Uhr

Öffentlichkeitsarbeit

Weihnachtsgeschenke von Kindern für bedürftige Kinder gab es in diesem Jahr wahrlich genug! Schülerinnen und Schüler von vier (!) Schulen waren diesmal engagiert dabei. Auch beim Verteilen gab es Hilfe. Wir werden immer öfter zum Thema für Referate, Schülerzeitungen oder studentische Untersuchungen. Auch unsere Plätze für ein Sozialpraktikum sind schnell und weit im Voraus vergeben.

Bundesverband

Fast 900 Tafeln zwingen den Bundesverband zu einer immer professionelleren Struktur. Über 700 E-Mails und unzählige Anrufe müssen jeden Tag bearbeitet werden, das ist ehrenamtlich nicht zu leisten. Der Kontakt zu Großsponsoren bleibt wichtig. Direkte Unterstützungsaktionen, z.B. "Kauf eins mehr!", müssen aber parallel zur jeweiligen Tafelarbeit vor Ort organisiert werden. Manchmal sollen wir praktisch stärker eingebunden werden, als wir leisten können. Leider können wir nicht bei allen Aktionen vor Ort präsent sein.

Die Oldenburger Tafel e.V. fällt auch überregional auf. Überraschend wurde uns vom niedersächsischen Ministerpräsidenten David McAllister die Medaille für "Vorbildliche Verdienste um den Nächsten" verliehen. Diese Ehre wurde gebührend von den hiesigen Medien in die Öffentlichkeit getragen, denn sie gilt den vielen Ehrenamtlichen.

Bei der Verleihung durch den Oberbürgermeister habe ich als Vorsitzende darauf hingewiesen, dass unsere Nutzer uns als Lückenbüßer des Staates wahrnehmen. Sie sagen uns, dass wir "die Wut von der Straße holen", weil wir freundlich und vorurteilslos echte Unterstützung bieten. Viele Alleinerziehende erzählen uns, was sie sich an eigentlich Selbstverständlichem leisten konnten, nachdem sie von uns kostenlose Lebensmittel erhielten und dadurch etwas Geld gespart haben. Dazu zählen ein Eis oder ein Schwimmbadbesuch für die Kinder im Sommer, ein Kramer-marktsbummel, ein Kinobesuch. Kinder vertrauen uns, legen ihre Scham ab und suchen sich ihre Lieblingsspeise aus. Alte und Kranke sind dankbar, daß wir sie aus ihrer Isolation befreien und lassen uns in ihre Wohnung. Meistens sind wir ihr einziger Kontakt, da geraten die gelieferten Lebensmittel schnell in den Hintergrund. Frauen, die aus dem Frauenhaus in eine eigene Wohnung ziehen, freuen sich, dass wir ihren Neustart erleichtern mit einem Grundnahrungspaket an haltbaren Lebensmitteln. Sozialpädagoginnen und Erzieherinnen sind froh, daß sie dank unserer finanziellen Unterstützung den Kindern in ihren Einrichtungen eine gesunde Vielfalt vorstellen und anbieten können, denn Obst, Rohkost und Müsli sind mit dem regulären Kostgeld nicht finanzierbar.

Wir machen unsere Arbeit wirklich gerne. Auch nach 15 Jahren sind wir immer noch von dem Konzept überzeugt, Aussortiertes vor der Vernichtung zu bewahren, um es Bedürftigen weiterzureichen. Der eine Ehrenamtliche mag dabei den Schwerpunkt mehr auf das Retten hochwertiger Lebensmittel legen, die andere eher unsere Nutzer im Blick haben. Unsere Wünsche nach Erleichterungen kann uns nur die Politik gewähren. Befreiung von der KfZ-Steuer, von GEZ-Gebühren, von Entsorgungskosten: Nichts davon scheint umsetzbar zu sein. Diese Medaille wird uns nicht weniger kritisch machen. Wir interpretieren sie als Dank, denn ohne ehrenamtliche Entlastung - und Entlastung der Ehrenamtlichen - stößt auch unser Wohlfahrtsstaat sehr schnell an seine Grenzen.

Der Vorstand der Oldenburger Tafel e.V.